Gesund ernähren? Nichts leichter als das

Verzichtest du auf Zucker? Isst du Kohlenhydrate? Achtest du darauf, genug Protein zu dir zu nehmen? Gesunde Ernährung ist ganz schön schwierig, oder? Wenn man dabei auch noch abnehmen will, wird es richtig kompliziert. Muss aber nicht sein. 

 

Wenn man schon so lange im Diät-Business ist wie ich – also auf der Seite der Leidenden, nicht als Berater – dann kennt man jeden Ernährungstrend und die vielen Diäten, die sich daraus entwickeln. Trends kommen und gehen. Darum ist mein Motto: Keep it simple. Es ist ganz einfach, sich gesund zu ernähren. Das Abnehmen ist ein angenehmer Nebeneffekt dabei.

 

 

Wie das geht? Natürlich!

Wie alles begann: Fett macht fett

Meine Diät-Karriere begann in den 1980er Jahren. Damals lautete die Devise: "Eine gesunde Ernährung ist fettarm!" Und wer abnehmen will, darf sowieso kein Fett zu sich nehmen. Klingt ja auch logisch, Fett macht fett. Kommt rein und sucht sich sofort ein gemütliches Plätzchen auf der Hüfte.

 

Die gewitzte Lebensmittelindustrie sah damals ihre Chance für fetten Gewinn gekommen und brachte haufenweise "Low Fat"- Produkte auf den Markt. Käse, Joghurt, Leberwurst. Alles fettarm.

 

Leider ist Fett Geschmacksträger und Joghurt mit 0,1 % Fett schmeckt einfach unverkäuflich fade. Darum griff die Industrie in die Trickkiste und peppte die Low-Fat-Produkte mit ordentlich Zucker auf. Jetzt schmeckts wieder!

 

Zucker galt damals als ungefährlich und schlimmstenfalls schlecht für die Zähne. Hauptsache kein Fett.

Esst mehr Kohlenhydrate

Neben der generellen Verteufelung des Fetts lautete der Rat der Ernährungsforschung in den 1980er Jahren: esst reichlich Kohlenhydrate, denn die haben kein Fett. Und natürlich waren damals alle Diäten auf dieser Erkenntnis aufgebaut.

 

Es gab Berge von Knäckebrot, Reiswaffeln, Kartoffeln und Pasta, aber bitte nur mit Tomatensoße ohne Fett. Nicht wirklich lecker.

Die Folge: alle Abnehmwilligen quälten sich brav mit low fat und wurden trotzdem langfristig immer dicker und teilweise sogar kranker.

 

Oder doch lieber Low Carb?

Das blieb auch der Ernährungsforschung nicht verborgen. Man forschte also weiter. Mit verbesserten Methoden. Und man gewann eine neue Erkenntnis: Es ist vielleicht gar nicht das Fett, das dick und krank macht. Als neue Verdächtige wurden die Kohlenhydrate ausgemacht, weil sie, ganz grob gesagt, für Blutzuckerspitzen sorgen und damit langfristig mitverantwortlich sind für Hungerattacken. 

 

Aus dieser Idee entwickelten sich im Lauf der Zeit verschiedene neue Diät-Formen. Low Carb, No Carb, Low Carb - high fat, Paleo, Ketogene Ernährung und so weiter. Alles mehr oder weniger Extreme, bei denen eine ganze Reihe von Nahrungsmitteln verboten sind und die man ohne Anleitung nur schwer im Alltag umsetzen kann.

Jetzt aber: Protein!

Protein ist der neue heiße Scheiß. Protein, also Eiweiß, ist der aktuelle Star am Diät-Himmel und wieder springt die Lebensmittelindustrie mit einem lauten "Hurra!" auf den Zug auf. Es werden massenhaft Produkte "mit extra Protein" auf den Markt geworfen und jeder Joghurt prahlt auf seiner Verpackung damit, dass er einen hohen Proteingehalt habe. Proteinshakes, Pulver und Riegel dürfen aktuell in keinem figurbewussten Haushalt fehlen. 

Keep it simple! Echt.

Vielleicht stimmt es diesmal. Vielleicht ist Protein der Schlüssel zum Ernährungs-Glück.

 

Ich glaube aber nicht daran.

 

Warum? Weil der Körper einfach von allem etwas braucht. Unser Körper ist ein fein abgestimmtes Wunderwerk, das nur dann reibungslos läuft, wenn es Treibstoff, Schmiermittel und Baumaterialien in Form von Fetten, Kohlenhydraten, Proteinen, Mineralstoffen, Vitaminen und Spurenelementen bekommt. Fehlt ihm etwas, stampft der Darm mit dem Fuß auf, verschränkt trotzig die Arme und verweigert die Arbeit. Nur als Beispiel. 

 

Es macht absolut keinen Sinn, bestimmte Lebensmittel generell zu verteufeln und andere dafür zu glorifizieren. Weizen ist nicht per se ungesund und über den Zusammenhang von Milch und Akne streiten sich die Gelehrten immer noch. 

 

Wir neigen dazu, immer den einfachen Weg zu suchen, bei dem wir nur ein, zwei Dinge weglassen und schon ist alles geritzt. Einfach keine Kohlenhydrate mehr essen und schwupps, Kleidergröße 36. Puh! Einfach drei Proteinshakes pro Tag und die Muskeln schwellen. Nope. 

 

Zurück zur Natur

Diese Forderung aus den 1980er Jahren ist heute aktueller denn je. Gerade was das Essen angeht.

 

Statt sich wochenlang damit zu beschäftigen, ob man nun besser Buchweizen, Hirse oder Quinoa isst, wäre mein Vorschlag: iss einfach alles.

Also nicht gleichzeitig. Aber mach dir das Leben nicht so schwer!

 

Entspann dich und genieße alles, was die Natur uns bietet – und die hat uns den Tisch sehr reichhaltig gedeckt. Wusstest du zum Beispiel, dass unsere Küchenkräuter nicht nur superlecker sind, sondern auch gesundheitsfördernde Eigenschaften haben? Das nur am Rande.

Wie denn nun?

Keep it simple, mach es dir leicht! Im Bereich der Ernährung ist es nicht gut, Extreme zu leben und auf Kohlenhydrate, Fett oder irgendetwas anderes generell zu verzichten. (Es sei denn du hast Allergien, klar)

  • Iss reichlich Gemüse, damit kannst du nichts falsch machen.
  • Setz auf möglichst unverarbeitete Lebensmittel in guter Qualität.
  • Gönn dir ohne schlechtes Gewissen ein Stück Kuchen, wenn dir danach ist.
  • Iss Vollkornprodukte.
  • Greife schamlos zum fetten griechischen Joghurt.
  • Knabber mal eine Handvoll Nüsse.
  • Iss Fisch (nicht den Backfisch auf der Kirmes 😉)
  • und Obst. 

Wichtig ist, dass du möglichst vielseitig isst. Probiere auch mal Gemüsesorten, die du noch nicht kennst. Sei neugierig! Bring mal Tofu auf den Tisch. Teste Mandelmus und Leinsamen im Porridge. Je bunter dein Teller ist, desto besser. 

 

Und vergiss um Himmels Willen den Genuss nicht! Essen ist Lebensfreude und das darf auch so sein! 

 

Hast du Fragen? Ich bahne dir gerne einen Weg durch den Dschungel der Ernährungstrends und helfe dir dabei, dir dein Leben leichter zu machen.